Motorisches Lernen — die drei Phasen

Jede neue Bewegung — sei es Schuhebinden, Klavierspielen, oder das Wiedererlernen einer Hand-Greif-Funktion nach Schlaganfall — läuft durch drei Phasen. Wer weiß, in welcher Phase ein:e Klient:in steckt, weiß auch, welche Intervention jetzt sinnvoll ist.

Modell von Fitts & Posner (1967). Bis heute der Standard-Rahmen in Motor-Learning-Forschung und Ergo/Physio-Reha.
Phase 1kognitivPhase 2assoziativPhase 3autonomZeit + Wiederholung →
Phase 1 — Kognitiv· Tage bis wenige Wochen
Merkmale:
  • Bewusstes Nachdenken bei jedem Schritt
  • Viele Fehler, Korrekturen via Selbstkommentar
  • Hohe kortikale Aktivität (präfrontal, prämotorisch)
  • Erschöpft schnell — Konzentration ist anstrengend
Therapie-Konsequenz: Klare verbale Anweisung, eine Sache zur Zeit, viel Wiederholung mit Feedback. Anfänger:innen können nicht 3 Hinweise gleichzeitig umsetzen — also nicht versuchen.
Warum eigentlich?Warum verändert sich was im Hirn pro Phase?
In Phase 1 sind präfrontaler Cortex + prämotorischer Cortex stark aktiv (bewusste Steuerung). In Phase 2 wandert die Last in den primären Motorcortex. In Phase 3 übernehmenKleinhirn und Basalganglien — die automatisierenden Strukturen. fMRT-Studien zeigen das schön: das gesamte Hirn- Aktivierungsmuster wandert über Wochen vom Frontalhirn nach hinten und unten.
Häufiger Denkfehler"Mehr Hinweise = besseres Feedback"
Klassischer Fehler vor allem in Phase 1: Therapeut:in sagt gleichzeitig „Schulter runter, Ellbogen näher am Körper, langsam ausatmen, Hand entspannen". Der/die Klient:in kann nichts davon umsetzen. Faustregel: ein Hinweis pro Wiederholung. Wenn der sitzt, dann der nächste. Mehr Information ist in Phase 1 schädlich.
Tiefer reinBernstein-Stufen — eine Variante
Der russische Bewegungsforscher Nicolai Bernstein beschrieb dasselbe anders: in Stufe 1 versucht das System, alle „Freiheitsgrade" (Joints und Muskeln) zu fixieren, um die Bewegung zu vereinfachen (= steife, hölzerne Bewegung). In Stufe 2 werden Freiheitsgrade wieder freigegeben (= flexibler). In Stufe 3 werden sie genutzt(= elegant und energie-effizient). Die Beobachtung „Bewegung wird weicher" über die Reha-Zeit erklärt genau das.