AES — der Standard der symmetrischen Verschlüsselung

Erstmal einfachWas macht AES, in einfach?

AES nimmt deine Daten in 16-Byte-Häppchen und mischt jedes Häppchen so durcheinander, dass es ohne den Schlüssel wie purer Zufall aussieht. Dasselbe macht es beim Entschlüsseln rückwärts.

Du gibst zwei Sachen rein — Daten und Schlüssel — und bekommst Bytes raus, die niemand ohne den Schlüssel lesen kann.

AES (Advanced Encryption Standard, 2001) ist eine Blockchiffre: sie verschlüsselt Blöcke von genau 128 Bit (= 16 Bytes) auf einmal. Schlüssel sind 128, 192 oder 256 Bit lang. AES steckt in quasi allem: HTTPS, WPA2/3-WLAN, verschlüsselte Festplatten, Signal, WhatsApp.

Live: AES-GCM im Browser

IV (zufällig pro Verschlüsselung)
Geheimtext (hex)
Tipp: Ändere ein einziges Zeichen am Klartext — der Geheimtext ändert sich komplett. Drücke nochmal Enter im Passwort-Feld — auch ohne Klartext-Änderung sieht der Geheimtext anders aus, weil der IV jedes Mal frisch zufällig ist.
Warum eigentlich?Warum hat AES sich durchgesetzt?

1997 startete das NIST einen offenen Wettbewerb für einen DES-Nachfolger. 15 Algorithmen aus aller Welt traten an, wurden jahrelang öffentlich von Kryptografen zerlegt. Gewinner 2000: das belgische Rijndael von Daemen und Rijmen — wegen guter Sicherheit, guter Performance auf allen Plattformen und einfacher Beschreibung.

Moderne CPUs haben sogar dedizierte AES-Instruktionen (AES-NI), die Verschlüsselung mit mehreren Gigabyte pro Sekunde erlauben — ohne merkliche CPU-Last.

Tiefer reinWie funktioniert AES innen?

Ein 16-Byte-Block wird als 4×4-Matrix angeordnet. Dann laufen 10–14 Runden (je nach Schlüssellänge), die jeweils 4 Schritte machen:

  1. SubBytes: Jedes Byte wird durch ein anderes ersetzt — über eine feste, nichtlineare Tabelle (die S-Box). Sorgt für „Konfusion".
  2. ShiftRows: Die Zeilen der Matrix werden zyklisch verschoben (Zeile 0 gar nicht, Zeile 1 um 1, etc.).
  3. MixColumns: Jede Spalte wird mit einer festen Matrix multipliziert (im Galois-Körper GF(2⁸)). Sorgt für „Diffusion" — jedes Eingabe-Byte beeinflusst alle Ausgabe-Bytes.
  4. AddRoundKey: XOR mit einem aus dem Hauptschlüssel abgeleiteten Rundenschlüssel.

Die Konfusion + Diffusion-Kombination geht auf Shannon zurück und ist das Designprinzip jeder modernen Blockchiffre.

Häufiger Denkfehler„AES allein reicht zum Verschlüsseln“

Nein. AES verschlüsselt einen Block. Für eine Nachricht mit mehreren Blöcken brauchst du einen Betriebsmodus (CBC, CTR, GCM…) — der ist mindestens so wichtig wie AES selbst. Wähle den falschen, und AES wird unsicher.

Außerdem brauchst du Authentizität: AES allein schützt vor Mitlesen, aber nicht vor gezielter Manipulationdes Geheimtexts. Lösung: AES-GCM oder ein separater MAC. Daher der heutige Standard: AES-GCM oder ChaCha20-Poly1305.

GeschichteVorher: DES und 3DES

Davor regierte DES (1977) mit nur 56 Bit Schlüssel. In den 90ern wurde DES per Brute-Force in Tagen geknackt — eine dedizierte Maschine namens Deep Crack brauchte 1998 nur 22 Stunden. 3DES (DES dreifach hintereinander) war eine Notlösung, bis AES kam. 3DES ist seit 2023 offiziell verboten für neue Anwendungen.