Transparenz, Granulierung, Färbekraft

Drei Pigment-Eigenschaften entscheiden mehr über dein Bild als die Farbe selbst. Sie stehen nicht auf der Tube — du musst sie kennen. Klick ein Pigment und vergleiche, wie sich dieselbe Farbe je nach Eigenschaft komplett anders verhält.

So liest du den Pigment-Code: P = Pigment, dann ein Buchstabe für die Farbgruppe (B = Blue, R = Red, Y = Yellow, V = Violet, Br = Brown, G = Green), und eine Nummer. PB29 ist also Pigment-Blau Nr. 29 = Ultramarin. Steht auf jeder seriösen Tube.
Ultramarine Blue · PB29
Transparenz
60
Granulierung
85
Färbekraft
30
Klassischer Granulierer — lässt sich gut liften, ergibt körnige Texturen.

Was die drei Werte praktisch bedeuten

TransparenzPigment über schwarzem BalkenHalbdeckend — mischt eher als zu glasierenGranulierungwie der Strich auf rauem Papier aussiehtSetzt sich in Papierfasern — TexturFärbekraft (staining)Pigment + Lift-Versuch in der MitteHebt sauber ab — perfekt für Highlights

Wie du die drei Werte in der Praxis nutzt

  1. Glazing-Schicht → transparent + niedrige Färbekraft. Phthalo Blue (transparent) ist ideal — aber nur wenn du sicher bist, dass du nicht zurück willst (staint).
  2. Wasch-Fläche mit Atmosphäre → granulierendes Pigment. Ultramarin + Burnt Sienna für Wolken, Steine, Fels.
  3. Highlight rauslüften → niedrige Färbekraft. Cobalt Blue, Cerulean — kannst du auch noch nach Trocknung zurückholen.
  4. Deckend & sicher → opake Pigmente (Cadmium-Familie). Wenn Aquarell dich erschöpft, geben sie die Kontrolle zurück.
Warum eigentlich?Warum granulieren manche Pigmente und andere nicht?
Granulierung hat mit der Partikelgröße zu tun. Ultramarin besteht aus relativ großen, schweren Mineralpartikeln (Lapislazuli / synthetisches Aluminium-Silikat) — sie sinken im Wasser ab und sammeln sich in den Vertiefungen rauer Papierfasern. Phthalo dagegen ist ein moderner organischer Farbstoff: extrem feine Partikel, die im Wasser schwimmen statt absinken. Faustregel: Erd- und Mineralpigmente granulieren, moderne synthetischebleiben glatt.
Häufiger DenkfehlerPhthalo Blue "nur mal antesten"
Klassiker. Phthalo ist so stark färbend und so staining, dass schon ein Tropfen auf der Palette alle anderen Farben verdirbt — und ein Phthalo-Fleck auf dem Papier bleibt für immer. Profi-Move: Phthalo immer am äußersten Rand der Palette, in eigenem Wasserglas.
Tiefer reinSingle-Pigment vs Convenience-Mix
Manche Tubenfarben („Sap Green", „Indigo", „Payne's Gray") sind Mischungen aus 2-4 Pigmenten — bequem, aber unvorhersehbar wenn du sie mit anderen mischst. Wer kontrolliert mischen will, kauftsingle-pigment-Farben: PB29, PR108, PY3 etc. Auf seriösen Tuben steht das immer drauf. Ein Set aus 8-12 Single-Pigment-Farben deckt fast alles ab.